Zeitzeug*innen
«Die F+F ist eher eine Denke als ein Stil.»
Valeria Bonin, Grafikerin
«Angefangen hat es mit einem Wasserfall.» Valeria Bonin ist Grafikerin.

Gemeinsam mit Diego Bontognali führt sie seit 2003 das Büro Bonbon. Aus ihrer Feder stamm die Webseite der F+F, die seit fünf Jahren das Bild der Schule im Web bestimmt.

«Die F+F ist immer in Bewegung, es entsteht laufend Neues. Das wollten wir grafisch spiegeln und kamen so auf das Bild des Wasserfalls.» Aufgebaut aus sich mit jeder Suchanfrage neu zusammensetzenden Kacheln, funktioniert die Webseite als dynamisches Archiv. Das Layout entlehnt sich der Aufmachung von Blogs. Meist soll eine Webseite in erster Linie informieren, Bonbon hat für den Auftritt der F+F einen anderen Ansatz gewählt: «Wir wollten überwältigen», sagt Valeria Bonin.
 
Neben digitalen Projekten ist Bonbon bekannt für Buchgestaltungen. Die durch ein autobiografisches Album ergänzte Briefwechselsammlung Meret Oppenheim. Worte nicht in giftige Buchstaben einwickeln wurde 2014 (sogar als schönstes Buch der Welt prämiert.

«Letztlich unterscheiden sich Buchseiten aber gar nicht so sehr von Webseiten», meint Valeria Bonin, «Interaktion und Modularität machen Webseiten etwas komplexer, aber in jedem Fall muss man als Grafikerin Informationen strukturieren und organisieren».

Valeria Bonin unterrichtet an mehreren Schulen, auch an der F+F engagierte sie sich über viele Jahre. Stösst sie in ihrer Praxis auf Herausforderungen, bringt sie diese als Fragestellung wieder mit in den Unterricht. Dabei geht es nicht nur um typografisches Regelwerk: «Die Studierenden lernen bei mir, welchen Wert ihre Arbeit hat und wie man diese entwickelt und schützt.» Dass die F+F eine Alternative zu den staatlichen Ausbildungen ist, spürt sie dabei auch an den Studierenden. «Da kommen Leute zusammen, die zuvor Schreinerinnen oder Polygrafen waren. Die Vielfalt führt zu spannenden, neuen Lösungen.» Viele Hochschulen erkennt man an ihrem unterrichteten Grafikstil. Ob die F+F auch einen solchen habe? «Zum Glück nicht, nein», lacht Valeria Bonin, «die F+F ist eher eine Denke als ein Stil».
 
Zeitzeug*innen
«Für mich war das konzeptionelle Denken an der F+F eine Offenbarung»
Muda Mathis, Studentin F+F 1978-80, FotoPop-Eye, Les Reines Prochaines: Fränzi Madörin, Sus Zwick, Michele Fuchs, Muda Mathis (v. l.)
Humbug Club, Let’s sing Arbeiterin*, Der Elefant ist da!, Olga und Olga und die koreanische Grossmutter und natürlich Lob Ehre Ruhm Dank: Eine kleine Auswahl von Titeln von Muda Mathis’ umfangreichem Schaffen, das sie meist mit wechselnden künstlerischen Partnerinnen in die Welt gebracht hat.

Bekannt als Gründungsmitglied der Musikperformancegruppe Les Reines Prochaines ist sie auch Installations- und Videokünstlerin, Performanceaktivistin, Theatermacherin, Publizistin, Ausstellerin und Kunst-am-Bau-Entwerferin. Eine vielseitigere Künstlerin gibt es kaum.

Muda Mathis machte als junge Frau ein Praktikum bei der Zürcher Bildhauerin Charlotte Germann-Jahn. Diese nahm Muda auf und zeige ihr, wie Gipsmodelle angefertigt werden. Als Charlotte Germann-Jahn keine Arbeit mehr für sie hatte, gab sie ihr den Tipp, doch mal die F+F in Augenschein zu nehmen. «Das wäre doch etwas für mich, meinte sie. Also ging ich hin. Der damalige Leiter Hansjörg Mattmüller nahm mein Interesse entgegen und sagte, ich solle um 16 Uhr wieder kommen. Auf diese Zeit seien die Aufnahmegespäche angesetzt.» Muda Mathis wurde noch am selben Tag in die Schule aufgenommen. 

Wenige Wochen später gings los. «Für mich war sowohl das konzeptionelle Denken als auch das Vorgehen an der Schule neu – eine Offenbarung: Performance, Video, Kunst als sozialer Prozess, Behaviour, intermediärer Aktionismus. Ich hatte nie zuvor von diesen Strömungen gehört und ich hatte keine Ahnung von zeitgenössischer Kunst. Also startete ich meine intensive Auseinandersetzung mit aktueller Kunst. Ich war jung, sog alles auf und alles, was ich da erlebt habe, hat mich durch und durch geprägt.» 

An der F+F arbeiteten die Studierenden mit Videokameras, diskutierten über aktuelle Kunst, besuchten Ausstellungen – und der Künstler Peter Trachsel führte Performance-Workshops durch. Das sollte sich als entscheidender Moment erweisen: «Wir präsentierten streng à la John Cage durchkomponierte Performances. Peter Trachsel führte mich in die Performancekunst ein, förderte mich und lud mich auch später immer wieder zu Auftritten ein.» Mindestens so wichtig war für Muda Mathis die Begegnung mit der Künstlerin und F+F-Mitbegründerin Doris Stauffer. «Sie führte mich in die feminisitische, aktivistische und kollektive Strategie ein. Kunst kann eben auch politisch sein und die Politik ganz nah am eigenen Leben.» An der F+F wuchs Muda Mathis’ Selbstverständnis als Künstlerin. Und es wurde ihr klar, dass eine Künstlerin alles machen kann, was sie sich denken kann. 

Acht Jahre später, nach einer bewegten Zeit in der Jugendbewegung, mit Bands, Aktivismus und viel DIY besuchte sie an der Schule für Gestaltung in Basel die Videoklasse. Muda Mathis erkannte, dass Kunst ein Feld ist, auf dem sie sich bewegen kann, dass es ein Ort ist, um gesellschaftliche Fragen aber auch eigene Wünsche, fehlende Dinge, Erfindungen und Behauptungen spielerisch überprüfen und verhandeln kann. 

Heute arbeitet Muda Mathis mit ihrer Partnerin Sus Zwick, mit der Band Les Reines Prochaines und Künstler*innen um die Ateliergemeinschaft VIA in den Amerbachstudios in Basel zusammen. Sie komponiert Klänge und Bilder, verbindet Sprache mit Körpern und Bewegungen und schafft damit überzeugende Videoarbeiten, Installationen, Performances und Musikstücke. Spiel, Ironie, Witz und Aberwitz spielen dabei wichtige Rollen. 

Im Moment arbeitet sie mit Les Reines Prochaines und Freunden an der Revue Alte Tiere hochgestapelt, die am Theater Basel aufgeführt wird – wenn die Pandemie es erlaubt. Durch diese ausgebremst, hat sie kürzlich einen Podcast über die Performancekünstlerin Andrea Saemann und ihr Werk fertiggestellt.
Zeitzeug*innen
«Die F+F ist eine Schule, an der man nichts muss, aber alles kann.»
Bianca Gadola, Alumna des HF-Studiengangs Film berufsbegleitend, 2020
Sie hält viele Töpfe auf dem Herd. Bianca Gadola studierte an der F+F Film berufsbegleitend zu ihrer Arbeit als Kuratorin und Köchin.

Allen drei Tätigkeiten ist die Kreativität gemeinsam und der Takt, in dem gearbeitet wird: «In der Küche wie auch am Set braucht man den Blick fürs Ganze – nur wird einem beim Dreh nicht ganz so heiss wie am Herd», sagt Bianca.

Diesen Überblick brauchte die junge Filmemacherin auch für ihr Diplomprojekt Ex-Nihilo, ein Film über das Filmemachen und die Entstehung des Weltalls aus dem Nichts, Science-Fiction auf der Metaebene. Neben der Konstruktion der vierfach verstrickten Geschichte, war auch die Umsetzung herausfordern: «Ein Dreh ist krass. Als Regisseurin muss man alles planen und auf jede Frage eine Antwort wissen.» Diese Antworten überzeugten auch die Jury, die ihr für die stimmige Inszenierung den F+F Förderpreis 2020 verlieh.

Und Ideen für das Nächste Projekt hat Bianca zu genüge, vom Kammerspiel bis zum Schweizer Heimatfilm sprudelt es in alle Richtungen: «Mich interessieren die grossen Theorien und die banalen Kleinigkeiten.» Bevor sie an die F+F kam, studierte sie Kunstgeschichte und Filmwissenschaften. Die meisten Studierenden bringen eine gewisse Erfahrung und unbedingte Motivation mit. Das nährt den Austausch. «Am liebsten erinnere ich mich an das Konzeptstudium, wo alle ihre Ideen zusammentragen und aus dem Nichts eine Geschichte entsteht», erzählt Bianca. Auch mit den Dozierenden ist der Umgang kollegial: «Mit Freunden schafft man besser.» Die Kontakte halten über das Studium hinaus.

Als nächstes wird Bianca Ex-Nihilo bei Festivals einreichen, am nächsten Drehbuch arbeiten und «einfach weitermachen». Wo man sie in 20 Jahren antreffen wird? «Auf einem Weingut in Italien», lacht Bianca, «aber natürlich bleibt das Filmequipment dort auch nicht in der Ecke liegen.»
Zeitzeug*innen
«Fotografieren ist mein Ding»
Taissia Kunz, Lernende Fachklasse Fotografie, Foto: Veronique Hoegger, 2019
Die fünf Weltreligionen sind grad ihr Thema. Taissia Kunz arbeitet an einer Fotoreportage über das Christentum, den Islam, Hinduismus, Buddhismus und das Judentum. Sie besucht Gotteshäuser und sie macht sich Bilder von Menschen, die nach den Vorgaben ihrer Religion leben.

«Oft ist es schwierig, eine Synagoge oder eine Kirche zu besuchen und gar zu fotografieren, weil Beten eine sehr intime und persönliche Angelegenheit ist», konstatiert Taissia. «Am kommenden Wochenende gehe ich in die russisch-orthodoxe Kirche in Zürich. Dessen Pfarrer war zuerst misstrauisch aber als ich ihm versicherte, dass ich die Privatsphäre der Betenden respektiere und sie nicht von vorn abbilde, kann ich nun Bilder machen.»

Taissia Kunz wollte schon immer «etwas mit Gestaltung» machen. Zuerst suchte sie eine entsprechende Lehrstelle. Sie wurde nicht fündig. So hat sie sich entschlossen, den gestalterischen Vorkurs in Luzern zu absolvieren. Schon während des Vorkurses hat sich ihr die Welt der Fotografie aufgetan und ihre Lehrer haben ihr geraten, die Fachklasse der F+F in Zürich zu belegen. «Die Fachklasse der F+F habe ich gewählt, weil sie spezialisiert ist auf Fotografie und weil wir hier nicht immer nur im Schulzimmer sitzen. Wir unternehmen viel, besuchen Ausstellungen und Studios.» Sie schätzt ausserdem den Austausch mit den Schüler*innen der höheren Klassen, von deren Erfahrungen sie gerne profitiert. «Ausserdem kann ich die Lehrer fragen, wenn ich ein Problem habe. Sie helfen wir sofort und schlagen mir etwa spannende Praktikumsorte vor», meint Taissia. Später will sie auf jeden Fall als Fotografin ihr Geld verdienen.
Zeitzeug*innen
«Die Entscheidung, in die Kunst einzusteigen, war für mich radikal»
Stefan Kaegi, Alumnus der Kunstklasse der F+F.
Heute ist Stefan Kaegi Regisseur und Autor, mit dem Theaterkollektiv Rimini Protokoll inszeniert er international. Seinen Weg zur Bühne fand Kaegi an der F+F, wo er fünf Semester studierte, Ausstellungen organisierte und sein erstes Hörspiel aufnahm.

Wäre Stefan Kaegi nicht an der Logik gescheitert, hätte er womöglich einem Philosophiestudium den Vorrang gegeben. Stattdessen begann er „in der Provinz“ zu inszenieren, die intuitiv entstandenen Theaterprojekte führten ihn an die F+F. «Die Entscheidung, in die Kunst einzusteigen, war für mich radikal». Kaegi ist Autodidakt; dort, wo er aufwuchs, spielte Kunst keine Rolle. «An die HGK (heute ZHdK) wagte ich mich also gar nicht erst. Von der F+F hiess es, man müsse nur gut ‘schnurre’ können – und das konnte ich.» Stefan Kaegi ist heute Regisseur und Autor und arbeitet international. Gemeinsam mit Helgard Haug und Daniel Wetzel ­– das Theaterkollektiv Rimini Protokoll – führt er mal als dokumentarisches Theater, mal als szenisches Hörspiel über Bühnen und durch öffentliche Räume. Stefan Kaegi befragt mit Rimini Protokoll die Realität mit jedem Stück aufs Neue und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet.

Als Kaegi in den 90er Jahren an der F+F studierte, war dort Theater ein «No Go», erinnert er sich: «Man machte an der F+F Performance, aber keinen falls Theater.» Die Workshops strapazierten denn auch seine Geduld; stundenlanges Schweigen oder einen Meter möglichst langsam zurücklegen, das war nichts für den umtriebigen Studenten. Gleichzeitig schätzte er die Workshops der internationalen Gäste und die Wahlfreiheiten im Studium. Seine Energie entlud er in eigenen Projekten: Er lancierte gemeinsam mit der Performerin Regula J. Kopp einen Ausstellungsraum im Zürcher Bahnhof Selnau und stellte unter dem Titel Jäger und Sammler wöchentlich neue junge Künstler*innen aus, die an wilden Vernissagen gefeiert wurden. An der Schule trafen Hausbesetzer*innen, introvertierte Maler*innen unter Genieverdacht und den Ausgleich suchende Hausfrauen aufeinander. «Wir haben uns damals nicht Studenten genannt, wir haben einfach Kunst gemacht.»

Stefan Kaegi fokussierte auf das Wechselspiel zwischen Inszenierung und Text. Am Audioschnittplatz eines Dozenten produzierte er sein erstes Hörspiel Kugler der Fall, das ihm durch den Verkauf an mehrere Deutsche Radiosender fortan sein Studium finanzieren sollte.

Nach fünf Semestern und kurz vor dem Diplomabschluss an der F+F entschied sich Stefan Kaegi für ein Austauschsemester in Giessen – und blieb dort. Am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften begegnete er Helgard Haug und Daniel Wetzel mit denen er seit über 20 Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. In die Schweiz kehrt er gerne zurück, öfters ist er in Lausanne. «Na klar hat die F+F Spuren hinterlassen – aber wie soll man sowas messen…» Seine Zeit an der Schule dokumentiert eine schmale Akte, jedes absolvierte Semester nicht mehr als ein kleiner, oranger Aufkleber.
Zeitzeug*innen
Vom vollgemalten Schulheft zum Werbeplakat
Moira Hofmann, Teilnehmerin Jugendkurse, Foto: Veronique Hoegger, 2019
«Mein Seklehrer hat mir eine Broschüre der F+F gezeigt, weil ich die ganze Zeit meine Schulhefte vollmale. Nun mache ich den Semesterkurs um herauszufinden, ob Grafik etwas für mich wäre.»

Jeden Mittwochnachmittag von Oktober bis Dezember und März bis Juni fährt Moira von Niederweningen nach Zürich an die F+F. Sie ist 15 und wohnt bei ihren Eltern. «Wir arbeiten an einem Werbeplakat, das die Berge als Tourismusregion thematisiert. Das macht Spass, weil wir mit grossen Formaten arbeiten», sagt Moira. «Der Kurs gefällt mir ausserdem sehr gut, weil man nicht nur dasitzt und zuhört, sondern viel selber gestaltet». Ende Mai schliesst sie und ihre Kammerad*innen den Kurs mit einer Werkschau ab.

Die F+F ist seit ihren Anfängen in den 1970er-Jahren auch ein Hotspot für Kunst und Design. So finden hier regelmässig Ausstellungen statt. Das gefällt auch Moira: «Ich finde die F+F auch cool, weil in dessen Räumen ständig Dinge aufgehängt sind, die man sonst nicht an Schulen findet. Das ist ein guter Stil – entspannt und lässig.» Nach der Sekundarschule will sie «etwas mit Grafik» oder «etwas Handwerkliches» machen. Auf jeden Fall kann sie das Gelernte aus dem Kurs später brauchen, davon ist sie überzeugt. Schon heute setzt sie ihr gestalterisches Wissen ein: Sie organisiert für die Kinder am Wohnort ein Malfest und sie malt selbst oft und viel. 
Zeitzeug*innen
On-Off mit der Kunst
Dijan Kahrimanovic, Alumnus Fotografie HF, Diplom 2014
Bevor Dijan Kahrimanovic Kunst gemacht hat, war er Metzger. Nachdem ihn die Kunst verlassen hat, arbeitete er im Büro und im Handel, Import/Export.

«Ich und die Kunst», sagt Dijan, «führen eine On-Off-Beziehung. Wie jede Beziehung muss man auch die zur Kunst pflegen, an ihr arbeiten, sich immer wieder neu sammeln.» Inzwischen haben die beiden wieder zueinander gefunden. Mit der Arbeit in einer Galerie fördert er junge Künstler*innen, auch privat baut er eine kleine Sammlung auf. «Das geht sogar mit dem Budget eines Kreativen», lacht Dijan.

Der Blick auf die Werke regt ihn zu eigenen Arbeiten an. Dijan Kahrimanovic arbeitet gross, raumgreifend, raumnehmend: Ein Panzer? Ein Pickup? Oder doch im kleineren Format, aber nicht unbedingt leiser: Ein gefälschter Pass, das Archivbild als fiktives Zeugnis. Performativ oder in Installationen verhandelt er immer wieder die Rolle Kunst, des Künstlers in der Kunstszene, auf dem Kunstmarkt.

An der F+F hat Dijan nach dem Vorkurs Fotografie studiert. «Dort hatte ich eine anstrengende, aber eben auch die beste Zeit.» Seine Projekte plante er aufwändig, spähte bei anderen Abteilungen, machte zwischendurch noch einen Austausch nach Boston. «Die F+F gibt kein Ziel vor. Sie gibt Stichworte und von dort aus führen hunderte Wege fort», sagt Dijan, «letztlich geht es nicht um richtig oder falsch, sondern darum, eine Haltung zu entwickeln.» Trotzdem spürte er schon da, dass seine Beziehung zur Kunst eine komplizierte war. Gelegentlich zweifelte er, gut genug zu sein, um auch ausserhalb der Schule bestehen zu können. Die Einblicke und Perspektiven, die die Dozierenden aus der Praxis mit in den Unterricht brachten, machten ihm Mut: «Es war sehr inspirierend von Figuren wie Walter Pfeiffer zu lernen! Wie er Kunst und Fotografie verknüpft begeistert mich.»

Nach seinem Abschluss wurde seine Arbeit mit dem Helvetia Kunstpreis ausgezeichnet, er stellte an der jungen Kunstmesse Liste aus. Türen öffneten sich, andere schlossen. Es ist eben kompliziert. «Aber inzwischen kann ich Kunst machen, von Kunst leben und gemeinsam mit anderen nach Lösungen für den Kunstmarkt suchen.»
Zeitzeug*innen
«Die Realität konservieren»
O'Neil Bürgi, Alumnus Studiengang Film HF, 2018, Bild: Pascale Florio
An der diesjährigen Ausgabe der Solothurner Filmtage zeigt F+F Alumnus O’Neil Bürgi seinen Dokumentarfilm Ale. Der Film über eine junge Wrestlerin läuft im Wettbewerb um den Publikumspreis.

Die Kamera hatte O’Neil Bürgi schon als Teenager in der Hand, damals filmte er noch mit der Familienkamera auf VHS-C. «Es faszinierte mich, dass ich mit dieser kleinen Kiste die Realität einfangen und für immer konservieren konnte.» Nach der soliden Malerlehre, stieg er Praktikum um Praktikum tiefer in die Filmszene ein. Er sammelte Erfahrungen am Set bei Filmen und Werbespots, als Videojournalist und im Schnittraum. Seine praktischen Erfahrungen wollte er aber mit einer Ausbildung festigen und fand so den Weg an die F+F.

Neben dem berufsbegleitenden Studiengang Film arbeitete er weiter als Editor. «Parallel arbeiten zu können, erleichtert natürlich die Finanzierung. Vor allem gewann ich so aber frische Ideen für den Job», sagt O’Neil und erzählt vom Austausch unter den Studierenden: «Es ist wie ein Labor für Kunstschaffende, Kreative und alle die es werden wollen.» Neben dem filmischen Handwerk geht es im Unterricht auch darum, Dossiers und Konzepte zusammenzustellen. Schliesslich kann kein Film ohne Finanzierung produziert werden. O’Neil weiss, was er will: Sich nicht festlegen auf ein Genre. Und sich nicht für den Markt verstellen. «Dafür bin ich zu jamaikanisch», lacht er. Sein Studium hat er abgeschlossen mit einem düsteren Trickfilm. Für Cat Noir zeichnete er in 115 Tagen jedes der rund 3 600 Bilder einzeln. Eigentlich ist die F+F nicht auf Animationen spezialisiert, trotzdem wagte er es, brachte sich die Techniken und Programme selbst bei: «Es war ein riesiges Experiment, ein Experiment, das auch die Schule unterstützte. Mit viel Lust und Energie ist an der F+F fast alles möglich.» Das Experiment gelang. Cat Noir ging ab «wie ein Raketli» und gewann mehrere Preise an Festivals.

Zwei Jahre später kann O’Neil Bürgi nun mit dem Dokumentarfilm Ale auf einen Preis aus Solothurn hoffen. Das Plakat zum Film hat die F+F Alumna Valentina Morrone gestaltet – die Kontakte halten über die Schulzeit hinaus.
Zeitzeug*innen
Kunst und Leben als Einheit
Thomas Miller, Student F+F 1975–77, Zeichnungslehrer, Zeichnung: Thomas Miller
Am ersten Schultag war er pünktlich vor Ort, so, wie er es sich von zuhause gewohnt war. Nur: sonst war kein Mensch da.

«Irgendwann kam Serge Stauffer mit rauchender Zigarette im Mund auf seinem Velosolex angerauscht. Ich war der Einzige, der pünktlich an der F+F im Drahtschmidli war», konstatiert Thomas Miller. Für ihn war die F+F eine Offenbarung. Thomas Miller kam aus der Enge der Ostschweiz, machte zuerst eine vierjährige Lehre als Bauzeichner. Seine Eltern legten Wert darauf, dass er einen krisensicheren Beruf erlernt. Aufgrund der Ölkrise hatte das Büro in dieser Zeit jedoch keine Arbeit. 

«Damals habe ich in einer WG in St. Gallen gewohnt. Alle hatten Freude an der Kunst und ich den Wunsch, mich künstlerisch weiterzuentwickeln. Der Schweizer Konzeptkünstler H.R. Fricker hat uns von der F+F erzählt. Also besuchte ich da einen Ferienkurs.» Thomas Miller gefiel die Atmosphäre an der Schule so gut, dass er sich für die Klasse bewarb. Er traf mit seiner Mappe unter dem Arm die beiden Gründer Hansjörg Mattmüller und Serge Stauffer. Alles lief gut. Er wurde aufgenommen. «Meine Eltern haben mir zwei Jahre Ausbildung an der F+F bezahlt. Zum Glück wussten sie nicht, was die F+F ist.» 

Vor dem Eintritt in die F+F hat Thomas Miller in St. Gallen Abendkurse bei Carl Meffert besucht. Das sollte sich als eine wegweisende Begegnung erweisen. Carl Meffert war ein antifaschistischer Gebrauchsgrafiker, der aus Nazideutschland in die Schweiz und später nach Argentinien flüchten musste. Unter seinem Pseudonym Clément Moreau hat er unter anderem sein Hauptwerk Nacht über Deutschland, eine Serie von Linolschnitten über die Gräuel der Folter, über Gefängnis und Flucht, veröffentlicht. Thomas Miller hat während seiner Zeit an der F+F begonnen, zusammen mit dem Kunsthistoriker Guido Magnaguagno, das Lebenswerk von Carl Meffert/Clément Moreau wissenschaftlich aufzuarbeiten. 

Die F+F war für Thomas Miller auch sonst prägend. «Wir konnten frei arbeiten und die Lehrerinnen und Lehrer vergaben keine Noten. Man muss sich das vorstellen! Die Benotung als Belohnung oder als Strafe steht am Ende einer sorgfältigen Leistungsobservierung. Die Bewertung, ein säkularisiertes Fundament der bürgerlichen Gesellschaft wird von der Gründerin und den Gründern der F+F in Frage gestellt – der Ärger der Institutionen war ihnen sicher.» 

Subversiv waren auch seine Arbeiten: In Venedig konnte er im Rahmen der Einladung der F+F seine Fotoserie Erinnerungen zeigen. «Ich fotografierte alle Räume in der elterlichen Wohnung und beschrieb minutiös, was ich darin erlebt habe. Die eindringlichen Schwarz-Weiss-Fotos des Büros seines Vaters, des Elternschlafzimmers und der anderen Räume vermitteln ein düsteres Bild seiner Kindheit. «Dazu angeregt hat mich der Zyklus Fürsorgeerziehung von Carl Meffert und das Arbeitsklima an der Schule ermöglichte mir eine künstlerische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte.» 

Die Fotoserie erschien später in der deutschen Zeitschrift für zeitgenössische Fotografie «Glasherz». 
Für diese Arbeit wurde ihm 1977 das Kunststipendium der Stadt Zürich zugesprochen. «Das war eine gute Voraussetzung für den Weg in die Kunst. Andererseits musste ich Geld verdienen. Ein Freund machte mich darauf aufmerksam, auf dem freien Weg an der Kunstgewerbeschule die Ausbildung als Zeichnungslehrer zu absolvieren.» Im Gegensatz zur offenen Art an der F+F wurde hier traditionell Kunstgeschichte und Architektur unterrichtet. Bezüglich des künftigen Berufs war die Mischung aus Avantgarde und Tradition für ihn jedoch sehr bereichernd. 

Danach hat er 36 Jahre in Winterthur als Zeichnungslehrer gewirkt. Das Vermitteln von Kunst, ein Fachbereich, der im Ansehen des gymnasialen Fächerkanons nicht an erster Stelle steht, war für Thomas Miller eine Herausforderung in der entgegengesetzten Richtung: Der Notendruck war viel geringer als in anderen Fächern. Die Schülerinnen und Schüler kamen deshalb gerne. Sie konnten entspannt mitmachen und mussten sich nicht ständig fragen, ob ihr Leistungen genügend sind. Der Gegensatz von Kunst und Leben löste sich auf.

Dass Kunst und Leben eine Einheit bilden sollen, ist das Credo von Thomas Miller. «Künstler sollten nicht nur auf der Bühne Künstler sein, sondern die Kunst leben – so, wie es die Dadaisten oder die Surrealistinnen versucht haben.» Ein wunderbares Beispiel seiner Überzeugung hat er mir zum Schluss erzählt: «Serge Stauffer bekam 1986/87 einen Lehrauftrag für Kunst- und Kulturgeschichte an der Schule für angewandte Linguistik. Ich folgte seiner Einladung. An der ersten Vorlesung war der Saal übervoll. Die künftigen Übersetzerinnen und Übersetzer holten sich die Semesterbestätigung. In der Pause lichteten sich die Reihen und in der folgenden Vorlesung waren wir nur noch zu Dritt. Ein Semester lang bereitete sich Serge für uns vor. Ihn kümmerte es nicht, dass wir nur drei Nasen waren. Die Aufhebung der Trennung von Kunst und Leben habe ich nie zuvor so wunderbar erfahren!»
Zeitzeug*innen
«Die F+F hat mich geflasht.»
Diplomkollektion REALITY IS PERCEPTION von Laura Heer-Vermot-Petit-Outhenin, 2020, Foto: Maurice Keiser
Als sich Laura Heer-Vermot-Petit-Outhenin an der F+F bewarb, war sie gerade alt genug für den Studiengang Modedesign HF. Inzwischen hat sie mit einem Förderpreis abgeschlossen. Im Gespräch erzählt sie, was ihr von der Zeit an der Schule bleibt.

Direkt nach der Schule schloss Laura den Berufsvorbereitungskurs an der Modefachschule Modeco an, dann kam sie zur F+F an den Studiengang Modedesign HF. Im ersten Semester feierte sie ihren 18. Geburtstag. «Kreativität war für mich der einzige Weg», sagt Laura, «alles andere war keine Option.» An der Mode fasziniert sie, dass kein Weg an ihr vorbei führt: «Mode ist die Disziplin in der Kunst, die jeden dazu zwingt, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Mode findet immer statt.»

Durch Mode drückt Laura Wandelbarkeit und das ganze Spektrum ihrer Persönlichkeit aus. Und so wählte sie auch ein sehr intimes Thema für ihre Diplomkollektion REALITY IS PERCEPTION. In skulpturalen Entwürfen übersetzt sie Schmerz und physisches Unwohlsein ins Textile. Es sei die erste Kollektion, in der sie ihre Stärken voll habe ausleben können, erzählt Laura. «Ich finde meine Sprache am Körper und nicht auf dem Blatt.» Trotz des schweren Themas hinterlässt die Arbeit viel Positives – zum Beispiel den Förderpreis der F+F. Das Preisgeld deponiert sie vorerst auf dem Sparkonto. «Am liebsten möchte ich es nutzen, um mich im Styling selbstständig zu machen. Aber erst mal muss ich Schlaf nachholen», lacht die Designerin.

Von der Studienzeit nimmt Laura viele Kontakte und die ansteckende Energie der Mitstudierenden mit. «Die F+F hat mich geflasht. Sie ist ein Chaos, aber ein positives Chaos.» Die Dozierenden fördern und fordern, was die Studierenden zur Selbständigkeit animiert und ihnen Sicherheit für die spätere Arbeitswelt gibt. Bei dem Schweizer Label YVY der Modedesignerin Yvonne Reichmuth konnte Laura noch während des Studiums in einem Praktikum erste Erfahrungen sammeln. Den Kontakt dazu bekam sie über die Schule. Und der beste Ratschlag, den ihr die Dozierenden mit auf den Weg gaben? «Bügeln. Vor jeder Präsentation ordentlich bügeln – das rettet jede Kollektion.»
Zeitzeug*innen
Gopferchlemmi bliib doch Jenny!
Sein Vater war Bauer, Metzger – und Dragoner, seine Mutter eine der ersten Frauen im Glarnerland, die nicht nur Auto fahren konnte, sondern auch ein eigenes Auto besass.

Eigenwilligkeit hat seine Vorfahren stets ausgezeichnet, so auch seine Eltern – und ihn selbst. «Ich habe gelernt, die Berge «tief» zu halten», sagt Peter Jenny. «Das gilt auch dann, wenn man oben auf der Spitze ist, ganz besonders im Nebel: Da wird der Berg zum fliegenden Teppich. Fantasie und Träume bleiben wichtig.»

Peter Jenny hat in Glarus Schriftsetzer gelernt und 1964 die Prüfung zum Vorkurs der Kunstgewerbe­schule in Zürich bestanden, wo er bei Serge Stauffer auch fotografieren lernte. Er hatte aber schon da seine liebe Mühe mit der etablierten Art des Unterrichts: «Uns wurde einmal die Aufgabe gestellt, ein Buch mitzubringen, das uns viel bedeutete. Die Schülerinnen und Schüler mit meist gebildeten Eltern legten «Die Kunst des Bogenschiessens» oder die Tagebücher von Paul Klee vor. Ich brachte einen alten Ackermann-Katalog mit. Darin befanden sich richtige Wollfäden. Die wunderbarsten Farben wurden greifbar». Als Peter Jenny als grosser aber kritischer Bauhausfan miterleben musste, wie 1964 in Zürich derselbe Bauhausunterricht mit Farbenlehre, Perspektive und Modellieren über die Bühne ging, wie 1919 schon am Bauhaus – da wusste er: Es muss etwas geschehen. Peter Jenny wechselte in die Klasse «Farbe+Form». Die «F+F» war Avantgarde. Hier wurde man zum Nachdenken animiert, aber auch stark durch die damaligen Kunstrichtungen geprägt. «Ich wollte aber nie Künstler werden. Mich interessierten die Grundlagen der Gestaltung. Ich wollte Probleme lösen. Künstler arbeiten jedoch auch ohne ein Problem lösen zu müssen.» 

Peter Jenny verliess die Schule und gestaltete ab 1965 die Zeitschrift «du». In dieser Zeit lernte er Robert Frank, René Burri und Henri Cartier-Bresson kennen – und wollte Bildredaktor beim «Stern» werden, der lange als eines der deutschsprachigen Leitmedien galt. Dazu kam es nicht. Stattdessen kreierte er einen neuen Vorkurs, in dem er seine Vorstellungen von der Schulung der Wahrnehmung verwirklichen konnte. Der damalige Schuldirektor meinte jedoch, wenn Peter Jenny einen Vorkurs übernähme, würde niemand mehr etwas über den Maler Max Gubler lernen. Seine Ideen konnte er dennoch in verschiedenen Vorkursklassen in dem von ihm unterrichteten Fach «Information» verwirklichen: «Wir spielten auf dem Platzspitz «Himmel und Hölle»: Wer lockt die Tauben am besten mit Fütterungstechniken ins Spielfeld? Oder wir übten uns im Püürli werfen.»  

1970 hat Peter Jenny dann doch gekündigt. Die Schülerinnen und Schüler protestierten postwendend: «Gopferchlemmi bliib doch Jenny!». Dies war die erste öffentliche Demo an der Schule, doch es half nichts: Jenny ging – zusammen mit den Dozierenden Doris und Serge Stauffer, Hansjörg Mattmüller und allen Studierenden der Klasse – und gründete mit den Stauffers und Mattmüller die unabhängige «F+F – Schule für experimentelle Gestaltung». Da unterrichtete er bis 1977. Ende der 90er-Jahre kam er für eine kurze Zeit in die Schulleitung der F+F zurück.

1977 wurde Peter Jenny Professor an der Architekturabteilung der ETHZ, wo er das Hauptfach  Grundlagen der Gestaltung unterrichtete. Er experimentierte zusammen mit den Studentinnen und Studenten an Kamera-Obscuras aus Schweineblasen, kreierte eine Linienlehre mit Kopfhaaren und erfand unzählige Übungen, um seine Theorien des ganzheitlichen Lernens umzusetzen. Von 1990 bis 1993 war er Vorsteher der Architekturabteilung. 
2005 erschien ‒ quasi als Abschiedsvorlesung – sein tolles Werk «Metaphern zur Wahrnehmungs­kunst». Das Buch ist eine Anleitung für offene Geister, in einer immer abstrakteren Welt grundsätz­liche Betrachtungsfähigkeiten und Ausdruckskraft zurückzugewinnen und in der Bilderflut den Blick auf Darstellungen zu schärfen. Es geht Peter Jenny in seiner Wahrnehmungsschule nicht in erster Linie darum, zeichnerische Fertigkeiten zu erlangen, sondern Spielfreude und Fantasie zu entwickeln. 
Heute wirkt er wieder im Glarnerland. Er arbeitet weiter an seiner Schule für Autodidaktinnen und Autodidakten, holt anderenorts verpönte Kunst ins Tal und bemüht sich, dem Kulturleben in seinem Umfeld einen fruchtbaren Boden zu bereiten.
Zeitzeug*innen
Der «Schallplattenverkäufer»
Veit Stauffer, Erste Klasse F+F 1975–77, Foto: Reto Oeschger
Damals wollte Veit Stauffer Schallplattenverkäufer werden. Andere Eltern hätten ihm nahegelegt, stattdessen das Gymnasium zu besuchen oder eine Bank-Lehre zu absolvieren. Nicht so seine Eltern: «Ich würde schon sagen, meine Eltern haben mich grosszügig darauf aufmerksam gemacht, doch die F+F zu besuchen. Ich hatte da noch «Flausen im Kopf» und keine rechte Vorstellung, was aus mir werden sollte. Für ihre Weitsichtigkeit gebührt ihnen grossen Respekt».

Ich treffe Veit Stauffer drei Monate nach dem Antritt seiner Frühpension bei ihm zuhause in Zürich-Wipkingen. Er empfängt mich mit einer Ruhe, von dem man sich ein Stück abschneiden könnte – und erzählt dann die Geschichte seiner Kindheit und Jugend: Sie ist gespickt mit unzähligen Anekdoten und unterlegt mit einer Fülle von Dokumenten, die er mal da, mal dort hervorzaubert. 

«Ich war elf, als der Protest an der Kunstgewerbeschule Zürich lanciert wurde», konstatiert Veit Stauffer. An vorderster Front mit dabei: Seine Eltern, die damals Dozent*innen an der Kunstgewerbeschule waren. «Ich habe alles hautnah miterlebt und diese Zeit ganz toll in Erinnerung». Er war bei der ersten Einschreibung für die F+F dabei, besuchte Infoabende und nahm als Kind am ersten Sommerkurs teil. «Überall wurde ich mitgeschleppt.» Das wilde Leben seiner Eltern war ihm jedoch manchmal zu viel: Ständige finanzielle Sorgen paarten sich mit einer «offenen» Beziehung, die die beiden lebten und die entsprechende Probleme mit sich brachten. Veit Stauffer sagt von sich, dass er kein Rebell war und eher introvertiert. 

Er hörte lieber Rockmusik. Durch seine beiden grossen Schwestern, sowie die Eltern und Schüler*innen der F+F kam er mit den Stones, Hendrix, Bob Dylan und den experimentellen Soft Machine, Fugs und Frank Zappa in Kontakt. Entscheidend für seine Entwicklung sollten zehn Abende im Frühling 1972 sein: Veit Stauffer nahm an einem Musikworkshop der F+F mit dem Komponisten Daniel Fueter und dem Musiker Anton Bruhin teil, auf den ihn seine Eltern aufmerksam machten. Er nahm sein kleines, zweiteiliges Schlagzeug mit und spielte vor versammelter Mann- und Frauschaft. Eine Initialzündung, denn die Musik sollte in seinem Leben künftig eine bedeutende Rolle spielen.  

Nach drei Jahren der Suche während der Sekundarschule – «ich habe da meinen Hang zu Melancholie entdeckt» ‒ fand er zurück zur F+F: Von Mai 1975 bis September 1977 besuchte er die damals noch einzige Klasse. Er fand schnell Tritt und blühte richtig auf. 

Während der Schule hat er sich intensiv mit Performance- und Konzeptkunst befasst: «Ich nahm zwanzig private Fotos und habe sie mit Texten gemischt, die scheinbar nichts mit den Bildern zu tun haben.» Und er fand den Mut zur Performance: Die feifi-zeig! Soundcollage ab Band, panierter Kopf, nasse Spaghetti und Randensaft, Dia-Projektion und Super-8, aufgeführt vor der Klasse im Oktober 1975. («Feifi» wurde zum Rufnamen und das ging so: Der damalige Freund seiner Schwester verstand den Namen «Veit» nicht richtig. Er hörte stattdessen «Feifi»; «zeig» ist die deutsche Übersetzung von «show»). 

Weitere folgten, etwa im Juni 1976 die Rasenmäher-Aktion, bei der er zusammen mit zwei Seebacher Freunden Gras frass oder die Aktion «Das Denken der Männer wird überbewertet», während der er eine Stunde mit aufgepflanzem Transparent vor dem Jelmoli-Warenhaus stand und mit Passant*innen über die Emanzipation der Frauen diskutierte (das martialische Gehabe der Männer hat ihn stets gestört). Dazu kamen Beiträge für die Biennale Venedig und für das Kunsthaus Zürich, an der sich die F+F präsentierte. Folge: Die Wertschätzung seiner Eltern für sein Tun stieg stetig. 

1976 war ein «Erleuchtungsjahr» für ihn: Er lernte die englische Avantgarde-Rockgruppe «Henry Cow» kennen. Eine wegweisende Begegnung, wie sich später herausstellen sollte. Im Moment standen aber Konzerte mit seinem Duo «Razzia» im Zentrum. Veit Stauffer sang und spielte Schlagzeug, Edwin Kunz spielte Gitarre. Der Song «gopfertelli gopfertammisiech» sollte lokale Berühmtheit erlangen. Am 10. September 1977 gaben die beiden unter dem Namen «Feifi & Edi» an der F+F als eine Art Abschlussarbeit ein einstündiges Konzert: «Improvisierte Musik auf experimenteller Basis» war angesagt. Danach diskutierten sie mit dem Publikum über die Kreativität von Mann und Frau.  

Nach Abschluss der Schule wurde ihm klar, dass er kein Handwerk «richtig» gelernt hatte, denn an der F+F war von allem etwas dabei: Filme drehen (mit Video und Super8), fotografieren, Texte schreiben, Vorträge halten. «Ich hätte mich als Künstlersöhnchen auf die faule Haut legen können. Ich wollte aber mein eigenes Geld verdienen»: So verdingte er sich als Hilfsarbeiter an einer Drehbank und später im Gastgewerbe. Parallel dazu hat er seine ersten Memoiren geschrieben. 

Eines Tages erreichte ihn ein Expressbrief aus Italien: Der Tourmanager von «Henry Cow» fragte ihn im Auftrag von Chris Cutler und Fred Frith an, ob er in Zürich ein Konzert mit «Henry Cow» organisieren könne. Veit Stauffer überlegte nicht lange und sagte zu. So hat alles angefangen: Zusammen mit seinem Freund Daniel Waldner übernahm er in der Folge den Vertrieb von Schallplatten – das Lager war anfänglich unter seinem Bett eingerichtet – und organisierte ab 1980 Konzerte für weitere Bands. Im August 1981 eröffneten sie den RecRec-Laden, ein paar Monate später folgte das Label gleichen Namens. RecRec blieb 40 Jahre lang seine Passion – und ist seit kurzem Geschichte.

Seine Meinung als über die Landesgrenzen hinaus bekannter Experte für verschiedenste Musikstilrichtungen wird noch eine Weile gefragt sein. Seine Arbeitstage sind jedoch nicht mehr mit 140%igem Engagement gefüllt. Froh über die Zeit, die er nun gewonnen hat, hat er bereits weitere Projekte in petto: Sein umfangreiches Text-, Bild- und Tonarchiv (12000 Tonträger) soll aufbereitet und ein Fotoband mit Material aus diesem Fundus veröffentlicht werden. Seine Memoiren (Band 2) sollen folgen. In fünf Jahren soll es so weit sein. 
Zeitzeug*innen
Menschen sind auch nur Fische
Janine Stählin, Alumna Modedesign HF, 2019, Foto: Veronique Hoegger
Janine Stählin hat 2019 ihr Studium zur Modedesignerin an der F+F Schule für Kunst und Design in Zürich abgeschlossen. Mit Ihrer Kollektion silent rebel hat die 30-jährige Luzernerin den Förderpreis der Schule gewonnen.

Wunderbare organge-weisse, an Fische und Quallen erinnernde, Outfits vor tiefblauem Hintergrund – so präsentiert Janine Stählin eine ihrer Kollektionen auf ihrer Website. «Dahinter steht der Gedanke, dass sich der Mensch manchmal wie ein Fisch im Aquarium gefangen und beobachtet fühlt.» Während ihrer dreijährigen Ausbildung hat sie sich intensiv mit der seelischen Verletzbarkeit des Menschen auseinandergesetzt. «Mir war es wichtig, persönliche Erfahrungen in die Arbeiten einzubringen. Ich wollte das Thema aber nicht depressiv, sondern mit Freude und Humor darstellen.» Dabei ist ihr das Kleidungsstück Mittel zum Zweck. Es geht ihr um die Inszenierung: Um den Menschen, der das Kleidungsstück trägt, wie er sich bewegt, um seinen Ausdruck im Gesicht, um seine Ausstrahlung aber auch um die Musik, die die Kollektion untermalt. «Mich fasziniert es, Emotionen zu transportieren und damit Menschen zu berühren», sagt Janine.  

An der F+F hat Janine die nötige Zeit und den Raum gefunden, ihre persönlichen Lebenserfahrungen kreativ umzusetzen. «Die Ausbildung hat mir die Möglichkeit gegeben, mich selber zu entdecken. Und ich habe mein Selbstvertrauen in den Jahren an der F+F stärken können,» resümiert die junge Designerin. Ursprünglich hat sie die Ausbildung zur Sekundarlehrerin gemacht und ist eher zufällig zur Mode gekommen. «Während ich unterrichtete, habe ich gemerkt, dass ich viel Kreativität in mir habe. Ich habe aber lang nicht gewusst, welches Medium für mich das Richtige ist.» In einem Nähkurs hat sie eine Dozentin der F+F kennengelernt, die sie umgehend an die an die Schule eingeladen hat. «Mir hat das familiäre Umfeld, die Herzlichkeit und Offenheit der Leute an der F+F sehr gefallen».

Die Freiheiten, die die Studierenden geniessen, verlangen von ihnen viel Eigeninitiative. Die Lehrkräfte stehen ihnen aber jederzeit beratend zur Seite. Janine Stählin: «Man ist mega frei. Es ist wenig vorgegeben, aber das ist auch anspruchsvoll.»

Janine hat nun ihr HF-Diplom Modedesignerin in der Tasche. «Mit meinem Abschluss habe ich Bestätigung erhalten, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Und ich habe herausgefunden, auf welche Art ich mich ausdrücken kann. Diesen Weg will ich weiterverfolgen.» Ihr momentaner Plan: Zunächst 50 bis 60 Prozent in der Gastronomie und als Lehrerin arbeiten, um die restliche Zeit für eigene Projekte zu nutzen. Das ist auch dringend nötig, denn sonst fehlt der Welt künftig ein Stück fantastische Kreation.
Zeitzeug*innen
«Manchmal habe ich richtig Sehnsucht»
Walter Pfeiffer – seit den Anfängen dabei, Foto: Walter Pfeiffer, 2021
Walter Pfeiffer war schon immer Künstler. Vielleicht hatte dies die Kunst aber eher bemerkt als er selbst. Der Kunstunterricht in der allerersten Gründungsklasse für Farbe und Form – damals noch an der Kunstgewerbeschule Zürich, aber schon mit denselben Dozierenden wie später an der F+F – sollte seine Welt auf den Kopf stellen.

«Wenn die Studis heute an die Schule kommen, können sie schon alles! Ich wusste damals nichts von Duchamp und Andy. Ich lernte alles an der Schule. Und realisierte erst dort, dass es noch andere Kreative gibt, ähnlich getrieben wie ich.»

An seine eigene Ausbildung beim Künstler Hansjörg Mattmüller erinnert er sich gern. Die Klasse hob sich ab von der restlichen Schule: «Dort war alles so grau und wir waren so farbig», sagt Walter Pfeiffer, «manchmal habe ich richtig Sehnsucht. Ich vermisse die Leute, die ehemalige Bibliothek.» Der Kunstunterricht hat ihm damals eine neue Welt eröffnet, eine zähe Welt, die ihn nur langsam eingelassen hat und nun nicht mehr loslässt.

Bevor ihn die Kunst an sich band, machte Pfeiffer die Ausbildung bei der EPA. Die Arbeit im Kaufhaus lehrte ihn nicht nur das Handwerk als Dekorateur, sondern bot ihm auch eine Lebensschule: Die stichelnden Intrigen unter den Kolleginnen seien keine schlechte Vorbereitung gewesen auf die Strippenziehereien in der Kunstwelt und in der Modeindustrie, denen er Jahre später als Fotograf begegnen sollte.

Walter Pfeiffer redet angeregt, seine Gedanken springen oft schneller als die Zunge. Er lenkt das Gespräch durch Zeiten und Begegnungen, streut im Vorbeigehen seine Bonmots wie: «Mich fasziniert der Schein, die Realität interessiert mich nicht.» Oder: «Ich gehe immer vom Schlimmsten aus, in der Hoffnung, dass es so schlimm gar nicht kommen kann.» Das Anekdotische ist nicht verwirrend gemeint, sondern eine Einladung, ihm zu folgen.

Die intensive Freundschaft zu seinem damaligen Lehrer und Schulleiter Hansjörg Mattmüller führte Walter Pfeiffer in den 70er Jahren an die neue Gestaltungsschule F+F, die sich 1971 als Gegenentwurf abgespalten hatte von der staatlichen, steif geratenen Kunstgewerbeschule. Hier sollte er nun unter dem Titel Inspiration zeichnen unterrichten. Eine didaktische Ausbildung sollte nicht fehlen, denn – der Walti könne ja so gut mit Menschen – so lockte Mattmüller. Und man mag es ihm glauben, dass kein anderer die Ideen so hätte sprudeln lassen können. Der Blick zurück klingt nicht verklärt: «Es war ein Brotjob. Der Lohn reichte gerade für mich und die Katzen.» Die F+F hat wilde Zeiten erlebt, sie war – und ist – aber auch immer ein Ort, an dem man die Kunst ernst nimmt.

Zunächst war die Fotografie für Walter Pfeiffer Mittel zum Zweck, eine Hilfestellung für seine Zeichnungen. Das angeborene Zittern in der Hand liess ihn den harten Blitz als Stilmittel entdecken. Den Blick für den Moment und das Schöne, das Sinnliche und das Lustvolle, den hat er zeichnend wie fotografierend, damals wie heute. Doch erst nach zähen «Lehr und Wanderjahren», mehreren veröffentlichten Büchern wie Welcome Aboard. Photographs 1980–2000 sowie die Ausstellung In Love With Beauty im Fotomuseum Winterthur 2008, entdeckte ihn die Modeindustrie. Plötzlich war er gefragt bei den grossen Namen.

«Für ein Shooting schickte mir ID Magazine die tollsten und teuersten Stücke von London nach Zürich. Ich inszenierte sie mit meinen Studis an der F+F.» Walter Pfeiffer fotografiert für die Vogue und Dior. Und unterrichtet an der F+F – inzwischen Fotografie.

Mit den Studierenden erwandert er die Schweiz mit dem Fotoapparat, er begleitet Projekte und Publikationen. Was er dem Nachwuchs mitgeben will? «Nicht zu fest an die Karriere denken. Durchhaltevermögen, Pünktlichkeit. Humor, Leidenschaft und Offenheit.» Wie er es geschafft hat? «Schicksal, Glück und ein Blick für Gelegenheiten.» Das ist die kurze Antwort. Ausserdem müsse man es aushalten können, eines «aufs Dach» zubekommen. Erfolg ist harte Arbeit – und Walter Pfeiffer ist ein Workaholic. Er erzählt das alles in der Pause zwischen zwei Aufträgen. «In einem Alter, in dem andere längst die Pension geniessen», schimpft er, aber den Ärger nimmt man dem Arbeitsverfallenen so ganz nicht ab.
Zeitzeug*innen
«Die F+F macht Lust am Experiment.»
Britta Liv Müller, Alumni des Vorkurs berufsbegleitend.
Britta Liv Müller schloss 2013 den berufsbegleitenden Vorkurs ab. Die Ausbildung animierte sie zu Experimenten – heute macht die Künstlerin Performances. Im Portrait erzählt sie von ihren Wegen und Entscheidungen. 

Performance ist eine der unmittelbarsten Ausdrucksformen der Kunst, sie lebt im und vom Moment, von ihrer Umgebung und dem Publikum. In einer Zeit, in der Begegnungen selten sind, machte Britta Liv Müller genau diese zum Thema. An der Performance-Reihe Neu-Oerlikon inszenierte sie mit der Choreografie Naked Fruit das Aufeinandertreffen und den Körperkontakt. Britta Liv schätzt den Live-Moment: «Während einer Performance steht man in gewisser Weise fliessend in Kontakt mit dem Publikum. Die unterschiedlichen Reaktionen faszinieren mich stets aufs Neue.»

Wenn sich Britta Liv nicht mit Kunst beschäftigt, unterrichtet sie Kinder im Integrationsbereich. «Ich habe zwei Jobs, die ich mit vollem Herzen ausübe», erzählt sie, «Es ist schön, beide Welten zu haben, aber ich vermische sie nicht». Obwohl ihre Arbeiten aus Impulsen und Bildern entstehen, die eng verknüpft sind mit persönlichen Erfahrungen grenzt sie die beiden Bereiche ab, nicht alles hat miteinander zu tun.

Aufgewachsen ist Britta Liv in einer «Künstlerfamilie». Die Kunst begleitete sie seit ihrer Kindheit. Ein Weiterbildungskurs leitete sie zur F+F, wo sie von 2011 bis 2013 den berufsbegleitenden Vorkurs absolvierte. «Die F+F ist ein Bijou,» sagt die Künstlerin. An der Schule fand sie selbst abends, müde vom Alltag, die Lust am Experiment. In dieser Zeit war ihr Medium noch nicht die Performance, sie erkundete Materialien und arbeitete installativ. «An der F+F lernte ich, über meine Arbeit zu sprechen, fand eine Sprache für meine Kunst,» sagt Britta Liv und erinnert sich an den regen Austausch in den Pool-Kursen und Modulen. «Wir wurden angeregt, uns zu vernetzen. Richtig begriffen habe ich die Bedeutung eines guten Netzwerks aber erst später, als es darum ging, mit meiner Arbeit rauszukommen.»

Der Vorkurs spannte die ersten Fäden, heute ist Netzwerken ein wichtiger Teil ihrer künstlerischen Arbeit. So hofft auch Britta Liv auf eine Zeit, in der Begegnungen und Unmittelbarkeiten wieder häufiger werden.
 
Zeitzeug*innen
«Die Fachklasse ist ein konzentrierter Grafikklumpen»
Medea Laim, 3. Lehrjahr Fachklasse Grafik, Foto: Veronique Hoegger, 2019
«Ich finde überall Ideen, mein Kopf füllt sich von alleine mit Visuellem. Wenn ich morgens aufwache, sehe ich eine Blume, sehe Farbe an Wänden, die abbröckelt.

Davon mache ich ein Foto oder skizziere es in mein Buch. Bei Projekten kann ich das immer wieder brauchen», sagt Medea. Seit zwei Jahren besucht Medea Laim die Fachklasse Grafik der F+F. Hier lernt sie, ihre Eindrücke zu filtern. «Ich bin ein Fan der Fachklasse. Wir sind zusammen mit den Schüler*innen der anderen Fachklassen ein konzentrierter Grafikklumpen. Es ist cool, wie hier ganz unterschiedliche Leute zusammenkommen. Und für mich ist es etwas vom Schönsten, wenn ich zusammen mit anderen etwas Neues entwickeln kann.»

Medea ist auf der Lenzerheide aufgewachsen. «Wer aus einem Dorf an die F+F kommt, muss im ersten Moment viele Eindrücke verarbeiten. In Lenzerheide war ich ein bunter Vogel – nicht der einzige aber ich bin aufgefallen.» Medea wollte schon immer etwas mit Gestaltung machen. Nach dem Vorkurs in Liechtenstein hat sie einen Infoabend der F+F besucht. «Das hat mich gleich sehr angesprochen», sagt Medea. «Die Räume sind weiss wie unbeschriebene Blätter, auf denen etwas entstehen kann.» Das Wissen, das sie sich bislang angeeignet hat, kann sie auch ausserhalb der Schule gut anwenden: Die Bibliothek Lenzerheide hat sie angefragt, ob sie im Zuge eines Umbaus das Redesign gestalten will. Das liess sich Medea nicht zweimal sagen: Von Logo über Broschüren und Lesezeichen bis zu signaletischen Aufgaben hat sie überzeugende Lösungen gefunden. Und für ihre Mutter, die auf der Lenzerheide einen Laden für Wohnkultur führt, gestaltet sie grade ein Malbuch. Später will sie vielleicht etwas mit Illustration machen. Wichtig sind ihr auch Kundenkontakte, aber momentan ist noch offen, wie es weitergehen soll.
Zeitzeug*innen
Flight 134 – Eine Begegnung mit Felix Cordone
Felix Cordone, Teilnehmer Jugendkurse, Bild: Veronique Hoegger, 2019
Flugzeuge sind seine Leidenschaft – und programmieren und gestalten. Felix Cordone wurde vor 14 Jahren in Chicago geboren, wohnt heute in Thalwil und hat einiges drauf.

Mit seinen Freunden baut er an einer Website, die online leicht verständliche Informationskarten von Flughäfen anbietet. Auf dass sich nie mehr jemand verläuft in den meist labyrinthischen Organismen der Welt! Die Website heisst www.flight134.com und ist nach einer Flugnummer benannt, die Chicago mit Zürich verbindet.

Bereits mit zehn hat er sich Adobe-Illustrator beigebracht. Später kamen die Programmiersprachen Phyton und HTML dazu. Er lernt schnell und will alles genauer wissen. «Ich will noch mehr lernen. Jetzt bin ich noch jung, später habe ich die Möglichkeiten nicht mehr so», sagt Felix Cordone. So hat er sich bald auch genauer damit beschäftigt, wie Grafik funktioniert und wie man etwas überzeugend präsentieren kann. Denn er wollte seine Website an der Privatschule vorstellen, die er besucht und da musste sie «top» aussehen. Seine Eltern haben ihn schliesslich darauf gebracht: Felix absolvierte einen Semesterkurs für Jugendliche an der F+F. «Ich fand es cool, weil man hier entspannt sehr kreativ sein kann. Die Schule ist ruhig und die Lehrer nett. Alles ist überhaupt nicht stressig.» Er kann sich gut vorstellen, später den Vorkurs an der F+F zu besuchen. Das Logo für flight134 hat er nun schon mal entworfen.