Mitteilungen
Öffentliche Veranstaltungen
Nachlass Hansjörg Mattmüller
1959–1970
Museum für Gestaltung
Der Nachlass im Museum für Gestaltung umfasst Unterlagen zur künstlerischen Ausbildung von Hansjörg Mattmüller, Unterlagen zu seiner Lehr- und Leitungstätigkeit an der KGSZ (1964–1970) und der F+F Schule von 1959 bis 2000, sowie einen Teilnachlass seiner Werke: Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Fotokopien, Bücher, Skizzen und einen Bestand an Fotografien.
  • 1959 Leiter Vorkurs an Kunstgewerbeschule Zürich KGSZ
  • 1964 Beschluss zur Gründung einer Klasse für formale und farbige Gestaltung an der Kunstgewerbeschule Zürich 
  • 1965 Gründung der Klasse Form und Farbe, ab 1965 auch Klasse F+F
  • 1965–70 Leiter der Klasse F+F (Form und Farbe) an der KGSZ
  • 1970 Die Klasse Form und Farbe wird geschlossen – alle Lehrer und Studierenden verlassen die Schule und führen sie 1971 als private Gestaltungsschule F+F Zürich weiter
  • 1971 Mitgründer der F+F Schule für experimentelle Gestaltung Zürich
Hansjörg Mattmüller, 1960er Jahre
Mitteilungen
Ein Nachruf auf den F+F Mitbegründer
16.01.2007
Tages-Anzeiger
Hansjörg Mattmüller, 1923 geboren, stammte aus dem Bernischen und schlug seine berufliche Laufbahn in Richtung Kunst zunächst an der Kunstgewerbeschule in Basel ein, um im Paris der frühen Nachkriegsjahre
weiterzustudieren. Prägend für sein späteres Wirken war die Einsicht des Kunststudenten‚ dass der eigentliche «denkerische Diskurs ausserhalb der Akademie stattfand» und dass «Duchamp noch nicht in die Schulstube vorgedrungen war». Ende der 1950er-Jahre war Mattmüller dann auf dem besten Weg, ein Shooting- star der von Arnold Rüdlinger als Signalkunst bezeichneten ungegenständlichen Bewegung zu werden.

Seine viel gelobte konkrete Arbeit orientierte sich an Mondrians «Dynamischem Gleichgewicht», aber er suchte gleichzeitig auf den französischen Tachismus zu reagieren, indem er farbige Flecken in seine geometrischen Bilder integrierte.

Auch wenn er bis zum Lebensende als Maler, skurril-surrealistischer Zeichner und lustvoller Kalligraf präsent blieb und sein Atelier an der Wuhrstrasse am Laufen hielt, machte seine eigene Kunstausübung einer anderen Berufung Platz: Er erwies sich, als er 1959 von Rektor Hans Fischli zum Klassenleiter des Zürcher Vorkurses berufen wurde, als begnadeter Lehrer.

Hartnäckiger Kämpfer für eine zeitgemässe Kunstausbildung.

Doch schon sehr bald stellte Mattmüller die im Rahmen der Kunstgewerbeschule damals hochproblematische Forderung nach einer zeitgemässen Kunstausbildung. Im Dunstkreis von Otto Teucher, Hans Finsler und Elsi Giauque wurde 1965 unter Mattmüllers Federführung die Klasse für Form und Farbe gegründet. Mattmüller hatte den Zeitgeist intuitiv richtig erfasst und die F+F als einen kollektiven Prozess angelegt, der Dozierende und Studierende partnerschaftlich zusammenwirken lassen sollte. Das gerade neu besetzte Rektorat machte zunächst mit.

Gemeinsam mit dem Duchamp-Spezialisten und Kunsttheoretiker Serge Stauffer und dessen Partnerin Doris Stauffer, die neue experimentelle Wege des Kunstunterrichts erforschte, ging es um die Entwicklung einer Schweizer Ausbildung für zeitgenössische Kunst, die diesen Namen auch verdiente. Ziele waren die Einübung einer gesellschaftsrelevanten Kunstpraxis, die Verflachung der Lehrer-Schüler-Hierarchie und die Erweiterung der Lehrangebote in Richtung Performance und Neue Medien unter Einbezug international wichtiger Kunstschaffender und Theoretiker. Heute, über vierzig Jahre und zwei Jugendbewegungen später, sind auch an den Schweizer Fachhochschulen für Kunst solche Forderungen längst eingelöst.

Und so scheint es kaum noch vorstellbar, auf wie viel Widerstand die F+F in den städtischen Gremien, aber auch bei den Dozentenkollegen stiess. Weder studentische Streiks noch die prominente Unterstützung etwa durch den Schriftsteller Peter Bichsel oder den Kunstjournalisten Fritz Billeter konnten 1969 den Abbruch des schulischen Experiments verhindern. So taten sich Mattmüller und seine Mitstreiter 1971 zusammen und stellten die F+F auf eine private Basis.